Märkische Allgemeine, 2007

Tausende in den Deadlands
Neuruppiner Motorradklub lud in Protzen zum Osterfeuer ein
Rockkonzert im Hangar

wärmendes Feuer

Fotos und Text: Matthias Gottwald
Der riesige Reisighaufen brannte stundenlang und erwärmte bei Bedarf die vielen Gäste auf dem Vereinsgelände des Neuruppiner Motorradklubs „Dead Land“.

PROTZEN · Bereits um 19 Uhr hatten sich Hunderte am Ostersonntag auf dem Vereinsgelände des Neuruppiner Motorradklubs „Deadland“ in Protzen eingefunden. Das bunt gemischte Publikum schwoll im Laufe des Abends zu mindestens 3000 Gästen an. Angefangen bei Teenagergruppen von drei bis vier Mädchen, die sich schon auf dem Weg zum Osterfeuer ein Schlückchen genehmigten. Undefinierbare Flüssigkeiten in so was wie Sektflaschen: „Frut y passion − Himbeer, Maracuja“ beispielsweise, wobei „Frut y passion“ wahrscheinlich für Frucht und Passion, Passion wohl eher für Alkohol steht. „Feiglinge“ als Nachbrenner für Frauen nach der Berufsausbildung. Bier und Kümmerlinge für Männer, Wein, Sekt, Cocktails, Biermixgetränke für alle.

Direkt vor dem Klubgebäude standen die Motorräder der Vereinsmitglieder. „Leis ist scheiß“ und „Fuck the TüV“ stand auf einigen Biker-Westen. Wenn die Maschinen gestartet wurden, wusste man sofort warum. Statt bloßer chromblitzender Abgasumlenkrohre sind in Deutschland Auspuffe mit Schalldämpfung vorgeschrieben.
Lächerlich kleine Blinker zeugten davon, dass die Staatsgewalt selbst an einer aufgemotzten Harley den „Fahrtrichtungsanzeiger“ befielt. In Protzen waren die Ordnungshüter der Polizei zwar da, hielten sich aber mit Fahrzeugkontrollen jeder Art zurück.

Nicht alles Altholz war auch zum Verbrennen gedacht. Sinnvoll abgelängte Baumstämme dienten als kaum verrückbare Stehtische und zunehmend als Depots für olle Becher.

Am Eingang zum Klubgelände stand eine Kabine, die standesgemäß einmal als Aufbau eines alten Lkw gedient hat. Dort gab es Bons, die von den Gästen zu zivilen Preisen gegen Getränke eingetauscht werden konnten. An den Imbissständen wurden im Akkord von eingespielten Teams Würstchen gedreht, Kammscheiben gewendet und Bratkartoffeln und Champignons aus großen Pfannen in Pappschälchen gefüllt. Allerdings lachte an den Essständen nur Bares. Bons hatten Wert ausschließlich an den Theken unter freiem Himmel.

Fireball
Im Konzerthangar spielten am Abend zwei einheimische Rockbands: zunächst „Fireball“ (Bild) und dann „Unerhört“.
Der Hangar gleich rechts hinter dem Eingang mit der Personenkabine als Pförtnerhäuschen ist perfekt als Konzerthalle hergerichtet: Cocktailbar gleich zuerst, Tarnnetz unter der Decke, Licht- und Tontechnik, Betonbühne. Den Anfang machten „Fireball“, die immer wieder AC/DC spielen mussten. „Unerhört“ aus Neuruppin begann um Mitternacht mit solidem Gitarrenrock. Da waren immer noch Tausende auf dem Gelände.


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