Ruppiner Anzeiger, 2001

Leben im toten Land
Deadland: Aus einem „losen Haufen“ entwickelte sich ein professioneller Verein

Mitglieder vorm Vereinshaus

Foto und Text: Daniel Hübner
Zehn der zwölf gestandenen Männer und zwei Leidenschaften: Neben dem Motorrad verbindet die Mitglieder des „Deadland“ ein weiteres Hobby: das Vereinsleben.
Und dazu zählt die Organisation zweier Großveranstaltungen im Jahr.

PROTZEN · Am Sonntagnachmittag meinte André Engelhardt: „Bei dem Wetter werden wir Verluste machen.“ Am Montag um 1.30 Uhr resümierte der Deadland-Chef: „Neuer Rekord. Etwa 3 000 Leute sind gekommen.“ Das Osterfeuer in Protzen wurde seinem Kultcharakter einmal mehr gerecht.

Zum fünften Mal organisierte der Verein Deadland eine Fete, die ohne Weiteres auch den Beinamen Volksfest tragen kann. Zunächst war der Verein bei den formellen Angelegenheiten von der Kirchengemeinde unterstützt worden. Inzwischen arbeiten die zwölf Mitglieder ausschließlich in Eigenregie − auch wenn sie feststellen mussten, dass behördliche Wege nicht immer die leichtesten sind.

Die Geschichte des Deadland beginnt mit einem „losen Haufen“, berichtet André Engelhardt. Und der pflegte die Leidenschaft Motorrad, traf sich überall und nirgendwo. Dann kam das Angebot, eine Asbestruine und eine Wellblechhalle auf einem brach liegenden Gelände in Protzen zu übernehmen. Der „lose Haufen“ spaltete sich. Zehn Biker nahmen die Mühe auf sich und machten sich ans Werk. „Wir hatten Ziele“, berichtet André Engelhardt über die Anfangstage. Dass sich nicht alle damals überwinden konnten, das mutige und zeitaufwändige Projekt in Angriff zu nehmen, sah der Protzener so: „Sie haben nicht erkannt, welches Potenzial in den Gebäuden steckt.“ In dem Dorf etwas zu bewegen, es mit Leben zu füllen − das war die Priorität der Vereinsgründer. Und natürlich „auch selbst Partys zu machen.“

Vor fünf Jahren gründeten sie den eingetragenen Verein. Inzwischen ist der Klub aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Deadland, zu deutsch totes oder verwelktes Land, organisiert und veranstaltet eigene Feste. Und dazu gehört neben dem Osterfeuer auch ein Metal-Festival.
Aber die Biker stellten auch schnell fest, dass dazu nicht nur ein Discopult, Lichteffekte und Verkaufsstände nötig waren. „Wir haben gemerkt, welche Dimensionen solche Veranstaltungen erreichen“, erinnert sich André Engelhardt. Diese seien nicht mehr zu verantworten gewesen. Denn nicht nur das finanzielle Risiko trägt der Veranstalter. Auch rechtlich müssen viele Dinge abgesichert werden. Das ging nur über einen eingetragenen Verein. Und warum ausgerechnet der Name Deadland? „Wegen der Friedhofsnähe und dem Ödland. Am Anfang hatte hier alles brach gelegen.“ Bäume, die gepflanzt wurden, gingen ein, bevor sie erblühen konnten.

Dagegen blühte der Verein auf. Nicht unbedingt was die Mitgliederzahl betrifft. „Die Leute kommen und gehen wieder. Irgendwann geht jeder seinen eigenen Interessen nach“, sagt der Klubchef. Heute zählen zum festen Stamm zwölf Mitglieder. „Dazu kommen aber noch 30 Leute aus dem Bekanntenkreis, auf die wir nicht mehr verzichten können.“ Deadland machte aus der Asbestruine ein Klubhaus mit gemütlichem Ambiente, in dem sich André Engelhardt vorstellen könnte, auch in den kalten Monaten des Jahres eine Feier zu veranstalten. „Vielleicht eine Oldie-Disco. Wir haben das schon getestet. Und es war eine super Sache.“

Alles wurde in Eigenregie aufgebaut. „Als wir hier anfingen, gab es keinen Strom, kein Wasser.“ Das ist heute anders, aber mit einem Schlag ging es natürlich nicht. „Die Einnahmen aus den Veranstaltungen fließen alle in den Klub“ − und wurden nach und nach zum Aufbau des Vereinshauses eingesetzt. Nach 2 500 Menschen im vorigen Jahr waren geschätzt 3 000 am Ostersonntag 2001 dabei. Aus allen Ecken waren ausschließlich lobende Worte zu hören. Warum das so ist, kann sich André Engelhardt selber nicht richtig erklären. Vielleicht so: „Wir haben uns einen guten Namen erarbeitet, auf den wir stolz sein können“, weiß der Vereinschef.


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